Mandantenbrief Sonderausgabe zum Jahresende 2017

Sonderausgabe zum Jahresende 2017 02 | 2017 Für alle Steuerpflichtigen Gezielte Verlagerung von privaten Ausgaben zur Minimierung der Steuerbelastung |  In 2018 werden der steuerliche Grundfreibetrag, der Kinderfreibetrag und das Kindergeld geringfügig erhöht. Da die Entlastung eher gering sein dürfte, kommt es vor allem auf die persönlichen Verhältnisse an, ob Ausgaben vorgezogen oder in das Jahr 2018 verlagert werden sollten.  | Neue Werte in 2018 Der steuerliche Grundfreibetrag – bis zu dieser Höhe muss keine Einkommen­ steuer gezahlt werden – wird im nächs­ ten Jahr um 180 EUR auf 9.000 EUR stei­ gen. Der Unterhaltshöchstbetrag wird entsprechend angepasst. Beachten Sie |  Zum Ausgleich der kal- ten Progression werden die Tarifeck­ werte im Jahr 2018 um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2017 nach rechts verschoben. Der Kinderfreibetrag wird in 2018 um 72 EUR auf 4.788 EUR angehoben. Das Kindergeld steigt um jeweils 2 EUR mo­ natlich pro Kind. Das sollten Sie bei der Verlagerung von Ausgaben beachten Sonderausgaben (z. B. Spenden) und außergewöhnliche Belastungen (z. B. Arzneimittel) sind grundsätzlich in dem Jahr in der Steuererklärung anzuset­ zen, in dem sie gezahlt worden sind. Maßgebend ist das sogenannte Zu- und Abflussprinzip. Dass die Steuerung der Zahlungen für die steuerliche Entlastung im Privatbe­ reich entscheidend sein kann, musste vor kurzem ein Ehepaar vor dem Bun­ desfinanzhof (12.7.2017, Az. VI R 36/15) erfahren. Die Kosten für den behinder- tengerechten Umbau ihres Hauses (165.000 EUR) hatten sie komplett in einem Jahr gezahlt. Da ihr Gesamtbe- trag der Einkünfte niedriger war, wirkte sich nur ein Teil der 165.000 EUR steu­ ermindernd aus. Eine Verteilung der außergewöhnlichen Belastungen auf mehrere Jahre lehnten die Richter ab. PRAXISHINWEIS | Bei außergewöhn­ lichen Belastungen sollte man auch die zumutbare Eigenbelastung im Blick haben, deren Höhe vom Gesamtbetrag der Einkünfte, Familienstand und Zahl der Kinder abhängt. Ist abzusehen, dass die zumutbare Eigenbelastung in 2017 nicht überschritten wird, sollten offene Rechnungen (nach Möglichkeit) erst in 2018 beglichen werden. Ein Vor­ ziehen lohnt sich, wenn in 2017 bereits hohe Aufwendungen getätigt wurden. In die Überlegungen sind auch vorhan­ dene Verlustvorträge einzubeziehen, die Sonderausgaben oder außerge­ wöhnliche Belastungen eventuell wir­ kungslos verpuffen lassen. Ist der Höchstbetrag bei Handwerker- leistungen (20 % der Lohnkosten, maxi­ mal 1.200 EUR) erreicht, sollten Rech­ nungen nach Möglichkeit erst in 2018 beglichen werden. PRAXISHINWEIS |  Fällt in diesem Jahr z. B. aufgrund von Verlusten aus einer selbstständigen Tätigkeit keine Einkommensteuer an, kann kein Ab­ zug von der Steuerschuld vorgenom­ men werden. Da die Steuerermäßi­ gung für Handwerkerleistungen weder zurück- noch vorgetragen werden kann, ist eine Rechnungsbegleichung auch in diesen Fällen in 2018 sinnvoll. Für GmbH-Gesellschafter Änderungsbedarf bei Verträgen überprüfen |  Wie in jedem Jahr sollten zwischen GmbH und (beherrschenden) Gesell­ schafter-Geschäftsführern getroffene Vereinbarungen auf ihre Fremdüblich- keit und Angemessenheit hin überprüft werden. Die entsprechende Dokumen­ tation mindert das Risiko einer ver­ deckten Gewinnausschüttung.  | Sollen ab 2018 neue Vereinbarungen getroffen oder bestehende verändert werden, ist dies zeitnah schriftlich zu fixieren. Vertragsinhalte wirken sich bei beherrschenden Gesellschaftern nämlich steuerlich nur aus, wenn sie im Voraus getroffen und tatsächlich wie vereinbart durchgeführt werden. Insbe­ sondere die Gesellschafter-Geschäfts- führer-Bezüge sind mit der allgemei­ nen Gehaltsstruktur und der individuel­ len Gewinnlage abzugleichen. Für Unternehmer Obacht bei der verkürzten Aufbewahrungspflicht von Lieferscheinen |  Insbesondere zum Jahreswechsel stellt sich die Frage, welche Unterlagen vernichtet werden können. In diesem Zusammenhang ist auf eine Maßnahme durch das Zweite Bürokratieentlas­ tungsgesetz (BGBl I 2017, S. 2143) hin­ zuweisen. Danach endet die Aufbewah­ rungsfrist von Lieferscheinen mit dem Erhalt oder dem Versand der Rechnung, wenn sie keine Buchungsbelege sind. | Nimmt die Rechnung jedoch auf den Lieferschein Bezug (z. B. hinsichtlich des Lieferzeitpunkts), wird der Liefer­ schein zum umsatzsteuerlichen Rech- nungsbestandteil und darf auch künftig nicht vorzeitig vernichtet werden!

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